Das Grünareal | Kooperationsprojekt, performative Gartenskulptur, Eingriff in städtische Angelegenheiten

Die Website zum Grünareal gruenareal.net

Das Areal der "Alten Rindermarkthalle" in Hamburg St. Pauli ist ein umkämpfter Raum. Es stand lange leer und sollte neu geplant werden, nachdem der letzte Supermarkt das städtische Gelände verlassen hat. Anwohner_innen fordern ihr Recht auf Stadt. Die Alte Rindermarkthalle, die ursprünglich als Handelsplatz für Vieh gebaut worden war, ist als Shedhalle denkmalschutzwürdig.

Lokalisiert im Vergnügungsviertel St. Pauli bündelt die Halle aber auch Investorenwünsche. Ein von der Stadt ausgelobter Planungswettbewerb scheiterte am Widerstand vieler Anwohner_innen, die sich gegen eine investorenorientierte Festivalisierung ihrer Viertel zur Wehr setzten und einen kooperativen Planungsprozess fordern. Eine vielfach vorgetragene Forderung ist die nach mehr Grün.

Das "Grünareal" greift in diese umkämpfte Situation ein und situiert einen gemeinschaftlichen Gemüsegarten auf dem Gelände. Eine öffentliche Bühne wird etabliert, wo Objekte (wie Hochbeete) sowohl dem sozialen Austausch als auch dem kollektiven Gemüseanbau dienen, und wo Menschen auftreten können und als Bürger sichtbar werden.

Durch das gemeinsame Gärtnern entsteht eine "Agora" für die Stadtgestaltung, die Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Interessen Beteiligungsmöglichkeiten bietet: Eine kleinteilige temporäre und anwenderorientierte Nutzung beginnt.

Die Anwohner_innen nehmen sich bei den Tätigkeiten des öffentlichen Gärtnerns wahr und gestalten die Stadt räumlich wie sozial. Das Gärtnern kommt dabei als eine globale Kulturtechnik zum Tragen, die Verständigung unter Menschen unterschiedlichster kultureller Hintergründe im gemeinschaftlichen Tätigsein ermöglicht.

Bei diesem urbanen Gärtnern privatisieren Nachbarn den Raum nicht als Parzelle, sondern nutzen ihn als Allmende. Der Anbau von Nutzpflanzen in der Stadt kann als Ausdruck des Bedürfnisses verstanden werden, das Lebensumfeld und einen Teil der Nahrungsmittelerzeugung in die eigene Hand zu nehmen.

Die Hochbeete überwinden das Bestehende (Beton) durch eine höhere ökologische Ebene (Hochbeet) aber reißen den Stadtraum nicht auf und versuchen keine utopische Landidylle in das metropolitane Leben zu implantieren. Sie bilden heterotopische Räume und mobile Realitäten einer anderen Stadt.